Non-recourse-Factoring

Synonym: «Echtes» Factoring

Verkauft ein Unternehmen seine offenen Forderungen an einen Factor, um die ausstehenden Rechnungssummen vorzufinanzieren, dann nimmt es den Prozess des Factorings in Anspruch. Damit einhergehend übernimmt der Factor meist auch das Forderungsmanagement (Debitorenmanagement) inklusive Mahnwesen sowie das Ausfallrisiko (Delkredererisiko). So muss sich das Unternehmen nach dem Einreichen seiner Forderungen um nichts mehr kümmern und – mit Ausnahme bei Waren-Retournierungen durch die Kunden – auch keine Rückforderungen fürchten.

Für das «echte» Non-recourse-Factoring ist der letzte Punkt mit dem Ausfallrisiko und den Rückforderungen entscheidend. Denn spricht man von der Non-recourse-Variante, dann wird das Risiko stets komplett vom Factor übernommen. Ansonsten würde es sich um die «unechte» Recourse-Variante des Factorings handeln, bei der das Delkredererisiko nur teilweise oder gar nicht übernommen wird. Was bedeutet, dass der Factor einmal vorfinanzierte Summen zurückfordern kann, wenn die Kunden des Unternehmens ihren Forderungen nicht nachkommen.

 

Untervarianten des Non-recourse-Factorings

Beim ersten Kontakt mit der Welt des Factorings scheint es so zu sein, dass tatsächlich mehrere verschiedene Arten nebeneinander existieren. Das stimmt aber nur halb. Denn im Kern handelt es sich um ein identisches Grundverfahren, das sich aus verschiedenen Parametern immer wieder neu zusammensetzt.

Bei diesen Parametern handelt es sich einerseits um die Risikoübernahme/Delkrederefunktion («Recourse» oder «Non-recourse») sowie andererseits um die Übernahme des Mahnwesens («Inhouse» oder «Full-Service») und darum, ob die Kunden informiert werden oder nicht («offen» oder «verdeckt»). So existieren also mehrere Formen des «echten» Factorings:

  • Mit Übernahme des Mahnwesens und Information der Kunden
    «Offenes (echtes) Non-recourse-Full-Service-Factoring»
  • Mit Übernahme des Mahnwesens aber ohne Kundeninformation
    «Verdecktes (echtes) Non-recourse-Full-Service-Factoring»
  • Ohne Übernahme des Mahnwesens mit Information der Kunden
    «Offenes (echtes) Non-recourse-Inhouse-Factoring»
  • Ohne Übernahme des Mahnwesens und ohne Kundeninformation
    «Verdecktes (echtes) Non-recourse-Inhouse-Factoring»

 

Funktionsweise des Non-recourse-Factorings

Geht man von der ersten obenstehenden Variante des Non-recourse-Factorings aus, dann lässt sich der Prozess in drei Schritte aufteilen:

  1. Nachdem das Unternehmen mit dem Factor seiner Wahl eine Gebühr vereinbart hat, reicht es offene Forderungen bei ihm ein.
  2. Kurze Zeit später zahlt der Factor die entsprechenden Rechnungssummen minus Gebühr an das Unternehmen aus. Letzteres kann die Forderungen als «bezahlt» markieren und muss sich um nichts Weiteres kümmern.
  3. Der Factor stellt den Kunden des Unternehmens neue Rechnungen zu, die die alten Forderungen des Unternehmens ersetzen. Die Kunden zahlen die Rechnungssummen anschliessend an den Factor. Dieser übernimmt auch das Risiko und Mahnwesen, wenn einzelne Kunden ihre Frist überschreiten und nicht bezahlen. Das Unternehmen hat mit all dem nichts mehr zu tun.

 

Beispiel für die Funktionsweise

Für das Beispiel nehmen wir an, dass Sie ein Unternehmen samt Onlineshop für qualitatives Massivholz-Interieur besitzen. Und dass zwei Kunden mehrere Artikel im Wert von zusammen CHF 4'000.00 bestellen.

Die Kunden haben nun drei Wochen Zeit, um zu bezahlen. Sie haben aber einen erhöhten Liquiditätsbedarf und wenden sich deshalb an einen Factor. Mit ihm vereinbaren Sie eine Gebühr von 2.0 % und reichen die offenen Forderungen für die beiden Kunden ein. Der Factor zahlt Ihnen als Abnehmer kurze Zeit später CHF 3'920.00 aus.

Diese Summe ist Ihnen sicher und Sie können das Geld praktisch sofort reinvestieren. Für Sie ist der Forderungsverkauf mit dem Auszahlen der offenen Forderungen beendet. Rückforderungen seitens des Factors sind nur dann zu erwarten, wenn Ihre Kunden die Waren retournieren. Ansonsten würde es sich um ein «unechtes» Recourse-Factoring handeln.

Sobald Ihre Kunden das Geld an den Factor überwiesen haben, ist der Forderungsverkauf auch für ihn beendet. Anderenfalls würde er sich selbst um das Mahnwesen kümmern, bis die Kunden bezahlen. Auch wenn es Wochen dauert: Das Risiko befindet sich komplett auf der Seite des Factors und Sie sind davon als Unternehmen nicht betroffen.

 

Hinweis: Die hier erwähnten Summen und Prozentwerte verstehen sich als Beispiel. Wie viele Forderungen oder welche Summen Sie tatsächlich einreichen (können), bestimmt sich vor allem aus den Vertragsbestimmungen mit dem Factor sowie aus Ihrem Liquiditätsbedarf.

 

Unterschiede zwischen «Non-recourse» und «Recourse»

Die beiden Varianten des Factorings unterscheiden sich primär in einem Punkt. Nämlich darin, dass der Factor bei der Non-recourse-Variante das Ausfallrisiko übernimmt  und bei der Recourse-Variante nicht. Buchhalterisch ausgedrückt also darin, dass beim Non-recourse-Factoring die Delkrederefunktion enthalten ist.

Zusätzlich kann es sein, dass die Gebühren bei einer Risikoübernahme etwas höher ausfallen. Meistens ist aber mit Gebühren zwischen 1 und 3 % der betreffenden Forderungssumme zu rechnen. Preisliche Unterschiede machen sich in den meisten Fällen nur in Zehntelprozenten bemerkbar.

 

Generelle Vorteile des Factorings

Die Risikofreiheit ist nur einer der Vorteile, die sich Unternehmen sichern können, wenn sie offene Forderungen einem Factor übergeben. Es warten noch drei weitere:

  • Verbesserte Liquidität, da das Unternehmen nicht mehr auf seine Kunden warten muss und die Rechnungssummen schon nach kurzer Zeit durch den Factor ausgezahlt bekommt. Das Geld ist bei Risikoübernahme durch den Factor weitestgehend und nur bis auf den Fall von Retournierungen sicher.
  • Freie interne Ressourcen, wenn der Factor neben dem Forderungsmanagement auch das Mahnwesen übernimmt und das Unternehmen auf diese Weise entlastet.
  • Kleine Gebühr von durchschnittlich nur 1 bis 3 % der Forderungssumme, die im Verhältnis zu den Vorteilen kaum nennenswert ist.

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